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Bitcoin und Aktien: Der Diversifikationsbeitrag ist keine feste Eigenschaft

Bitcoin diversifiziere das Portfolio, heißt es häufig. Der Beitrag zeigt an zwei Marktphasen, dass der Diversifikationsbeitrag keine feste Eigenschaft ist, sondern von der Abhängigkeit zu den übrigen Positionen und damit vom Marktumfeld abhängt.

#Portfoliofragen

Die Aussage und die Daten

Bitcoin diversifiziere das Portfolio, heißt es häufig. Das stimmt nur manchmal. Der Diversifikationsbeitrag eines Investments ergibt sich nicht aus dem Investment allein, sondern aus seiner Abhängigkeit zu den übrigen Positionen, und diese Abhängigkeit ändert sich mit dem Marktumfeld. Wie stark der Beitrag ausfällt, hängt zusätzlich vom Gewicht und von der eigenen Schwankung des Investments ab; diese Folge betrachtet, wie sich die Abhängigkeit über Marktumfelder hinweg verändert. Die Daten zeigen das an zwei Phasen. Im Jahr 2022 fielen Bitcoin und der S&P 500 gemeinsam, bei einer Korrelation der Tagesrenditen von +0,57. Während der US-Bankenturbulenzen im März 2023 stieg Bitcoin um 28,6 Prozent, der S&P 500 um 3,1 Prozent, und die Korrelation über die jeweils letzten 60 Handelstage lag am 31. März bei +0,26, nach +0,54 am 24. Januar.

Beide Phasen sind Beispiele, kein Test. Sie zeigen, dass der Gleichlauf nicht konstant ist, und sie enthalten keine Prognose. Was daraus für die Beurteilung eines Investments im Portfolio folgt, steht im Abschnitt zur Einordnung. Diese Seite ergänzt Folge 2 der Themenreihe „Volatilität im Portfoliokontext“ im Format „21Nexus | Portfoliofragen“ und ist auch ohne das Video lesbar.

Datenbasis und Methodik

Grundlage sind Tagesschlusskurse. Bitcoin gegen den US-Dollar liegt kalendertäglich und lückenlos ab dem 1. Januar 2012 vor, der S&P 500 als Kursindex ohne Dividenden an Handelstagen und für diese Auswertung ab Februar 2013. Stichtag ist der 27. Oktober 2026; spätere Kurse bleiben unberücksichtigt, damit alle Folgen der Themenreihe auf demselben Stand beruhen. Alle Werte beruhen auf eigener Berechnung aus diesen Schlusskursen; fertige Kennzahlen Dritter werden nicht übernommen.

Rendite und Korrelation. Für die Korrelation ist Rendite die logarithmierte Tagesrendite aus Schlusskursen. Korrelation ist der Korrelationskoeffizient der Tagesrenditen von Bitcoin und S&P 500, berechnet ausschließlich auf gemeinsamen Handelstagen. Eine Rendite an einem Montag umfasst bei beiden Reihen das Wochenende. Die Jahreswerte nutzen alle gemeinsamen Handelstage des Kalenderjahres. Die unten genannten Periodenrenditen sind einfache kumulierte Renditen zwischen zwei Schlusskursen und nicht logarithmiert.

Rollierende Korrelation. Die Korrelation über 60 Handelstage nutzt die Renditen der jeweils letzten 60 gemeinsamen Handelstage bis einschließlich des genannten Tages. Die rollierende Korrelation über 252 Handelstage ist entsprechend gebildet.

Periodenrenditen. Für Bitcoin gilt der Schlusskurs am Kalendertag, für den S&P 500 der letzte Schlusskurs am oder vor dem Tag. Das Kalenderjahr 2022 läuft vom Schlusskurs des 31. Dezember 2021 bis zum Schlusskurs des 31. Dezember 2022. Für die Bankenturbulenzen gilt der Schlusskurs des 7. März 2023, des letzten Kurses vor dem Ereignisfenster, bis zum Schlusskurs des 31. März 2023.

Alle Kursdaten lauten auf US-Dollar. Für 2026 reichen die Werte bis zum 27. Oktober und sind unvollständig.

Zwei Phasen im Vergleich

Im Jahr 2022 verlor Bitcoin 64,4 Prozent, der S&P 500 19,4 Prozent. Die über das Kalenderjahr berechnete Korrelation der Tagesrenditen betrug +0,57, den höchsten Jahreswert der Reihe. Im Kalenderjahr 2022 hat Bitcoin die Verluste des S&P 500 also nicht ausgeglichen, sondern ist stärker gefallen. Wie sich Bitcoin in einzelnen Einbrüchen des Aktienmarkts verhielt, zeigt diese Auswertung nicht; eine Aussage dazu verlangt eine gesonderte Untersuchung. Absicherung und Diversifikation sind deshalb getrennt zu betrachten: Ein positiver Gleichlauf schließt einen Diversifikationsbeitrag nicht aus, sagt aber für sich genommen nichts über den Schutz in Verlustphasen.

Im März 2023 verlief die Entwicklung anders. Bitcoin stieg zwischen den Schlusskursen des 7. und des 31. März um 28,6 Prozent, der S&P 500 um 3,1 Prozent. Die Korrelation über 60 Handelstage lag am 31. März bei +0,26, nach +0,54 am 24. Januar. Der Gleichlauf ließ also nach, blieb aber positiv; von einer gelösten Korrelation lässt sich mit diesen Daten nicht sprechen. Die weitere Entwicklung liegt nach dem Ereignisfenster und ist getrennt zu lesen: Am 26. Juni betrug der Wert +0,06.

Korrelation im Zeitverlauf

Die beiden Phasen stehen nicht für sich. Die Jahreswerte der Korrelation zeigen, dass sich die Abhängigkeit über die gesamte gemeinsame Historie verändert hat. In den Jahren 2013 bis 2019 lagen die Jahreswerte zwischen −0,11 und +0,09, seit 2020 zwischen +0,16 und +0,57. Die Jahre 2025 und 2026 liegen mit +0,42 und +0,46 wieder deutlich über 2023 mit +0,16. Die unterschiedlich gemessenen Werte beweisen für sich genommen weder einen Strukturbruch noch dessen Ursache, und eine Aussage über künftige Werte folgt daraus nicht.

Auch die rollierende Korrelation über 252 Handelstage bewegte sich seit 2013 in einer weiten Spanne: Der niedrigste Wert lag bei −0,17 (16. Dezember 2019), der höchste bei +0,58 (13. Februar 2023).

Grenzen der Aussage

Jede historische Kennzahl hängt an Zeitraum, Fenster und Konvention. Fünf Punkte sind für die Einordnung wichtig.

Auswahl der Phasen. Die Bankenturbulenzen und das Jahr 2022 sind als Beispiele für zwei deutlich verschiedene Marktumfelder gewählt. Sie sind keine repräsentative Stichprobe, und es wurde kein statistischer Test der Unterschiede durchgeführt. Die Jahreswerte und die rollierende Korrelation zeigen, dass die Veränderung nicht an diesen beiden Ereignissen hängt. Sie ersetzen aber keine systematische Untersuchung.

Fensterlänge. Dasselbe Ereignis sieht je nach Fenster unterschiedlich aus. Über 252 Handelstage lag die Korrelation am 31. März 2023 bei +0,54 und damit nahe ihrem Maximum, weil das nachlaufende Fenster noch das Jahr 2022 enthielt. Erst über 60 Handelstage (+0,26) wird das Nachlassen sichtbar. Geprüft wurden außerdem Fenster von 20, 30 und 45 Handelstagen. Im Ereignisfenster vom 8. bis 31. März 2023 lagen die Werte bei 20 Tagen zwischen +0,07 und +0,27, bei 30 Tagen zwischen +0,14 und +0,34, bei 45 Tagen zwischen +0,20 und +0,39 und bei 60 Tagen zwischen +0,23 und +0,41. In keinem dieser Fenster wurde der negative Bereich erreicht. Kürzere Fenster reagieren stärker auf einzelne Beobachtungen, längere glätten stärker und reagieren langsamer. Die Wahl von 60 Handelstagen ist eine Darstellungsentscheidung und keine allgemeine Genauigkeitsgrenze; sie ist offengelegt und keine stille Entscheidung.

Startpunkt der Periodenrendite. Die Periodenrendite beginnt am Schlusskurs des 7. März 2023, dem letzten Kurs vor dem Ereignisfenster. Vom Schlusskurs des 8. März aus wären es +31,4 Prozent für Bitcoin und +2,9 Prozent für den S&P 500.

Vergleichsmaßstab. Verglichen wird ausschließlich mit dem S&P 500 als Kursindex ohne Dividenden, einem US-Aktienindex. Aussagen über „die übrigen Positionen“ eines Portfolios sind damit nur eine Näherung. Die Abhängigkeit zu anderen Aktienmärkten, zu Anleihen, Rohstoffen oder zu den Beständen eines konkreten Portfolios kann abweichen. Die Korrelation misst zudem die lineare Abhängigkeit täglicher Renditen; bei anderen Renditeintervallen oder in extremen Marktphasen kann das Bild ein anderes sein.

Datengrundlage. Die Tagesschlusskurse beider Märkte entstehen zu unterschiedlichen Tageszeiten, denn Bitcoin wird rund um die Uhr gehandelt, der S&P 500 nur zu den Handelszeiten der US-Börsen. Die Schlusszeit der Bitcoin-Reihe ist nicht dokumentiert, die zeitliche Synchronisierung der beiden Tagesreihen deshalb ungeklärt. Das kann den gemessenen Gleichlauf täglicher Renditen verändern. Die Bitcoin-Reihe wurde mit zwei weiteren Bitcoin-Reihen abgeglichen. Die Werte stimmen weitgehend überein; für die Periodenrendite im März 2023 ergeben die beiden Vergleichsreihen jeweils +28,3 statt +28,6 Prozent, für 2022 −64,2 statt −64,4 Prozent und für die Korrelation 2022 +0,56 statt +0,57. Der Abgleich zeigt die Konsistenz der Reihen untereinander, nicht ihre Herkunft oder ihre Richtigkeit.

Einordnung im Portfoliokontext

Der Diversifikationsbeitrag eines Investments ist die Folge seiner Abhängigkeit zu den übrigen Positionen, seines Gewichts und seiner eigenen Schwankung und keine Eigenschaft, die ihm dauerhaft anhaftet. Diese Folge betrachtet, wie sich die Abhängigkeit über Marktumfelder hinweg verändert. Der Beitrag ist deshalb laufend zu prüfen und nicht zu unterstellen, und zwar gegenüber dem tatsächlichen Portfolio und nicht gegenüber einem einzelnen Index. Die Auswertung oben beschreibt die Vergangenheit zweier Märkte. Sie ersetzt weder die Prüfung im eigenen Portfolio noch die Entscheidung, wie viel Risiko eine Position beitragen darf; die Ableitung der Positionsgröße aus dem Risikobudget ist Thema von Folge 3 der Reihe.


Rechtliche Hinweise

Diese Veröffentlichung dient ausschließlich der allgemeinen Information und der fachlichen Einordnung. Sie stellt weder eine Anlageberatung noch eine Anlageempfehlung, eine Finanzanalyse oder ein Angebot zum Erwerb oder zur Veräußerung von Finanzinstrumenten dar. Individuelle Anlageziele, Vermögensverhältnisse oder die Risikotragfähigkeit einzelner Anleger werden nicht berücksichtigt. Angaben zu historischen Wertentwicklungen und Kennzahlen lassen keine Rückschlüsse auf künftige Entwicklungen zu. Die verwendeten Daten stammen aus Quellen, die wir für zuverlässig halten; eine Gewähr für Richtigkeit und Vollständigkeit wird nicht übernommen. Maßgeblich ist der Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, eine Aktualisierungspflicht besteht nicht. Herausgeber: 21Nexus Capital GmbH, Neuer Wall 54, Hamburg.

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